Longieren am Kappzaum

Leider sieht man immer noch, dass Pferde nicht am Kappzaum longiert werden. Die Longe wird direkt eingehakt in den inneren Trensenring oder, genauso sinnlos, durchgeschlauft durch den inneren hinüber zum äußeren Trensenring. Schon in den deutschen Klassikern der Reitliteratur „Das Gymnasium des Pferdes“ von Gustav Steinbrecht und auch in der H.dV. 12 wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Pferde am Kappzaum zu longieren sind.
Zum einen sollte die Schonung des sensiblen Pferdemauls eines unserer obersten Gebote sein. Zum anderen bewirkt das Einhaken der Longe an den Trensenringen ein Schiefziehen des Unterkiefers, welches aus biomechanischer Sicht eine Reihe von unerwünschten Kettenreaktionen hervorruft. Schieben Sie selbst Ihren Unterkiefer zur Seite oder drücken Sie leicht dagegen. Nicht jeder zieht ja mit der im Trensenring eingehakten Longe gleich den Unterkiefer massiv schief, sondern übt eventuell nur leichten Druck auf diesen aus. Bis wo spüren Sie diesen Einfluss auf Ihren Unterkiefer? Sie merken es mindestens in Ihrer Halswirbelsäule. Genauso geht es unseren Pferden. Ein nicht entspannter, schiefgezogener Unterkiefer bewirkt auch negative Effekte auf die Halswirbelsäule. Eine korrekte geraderichtende Arbeit, welche wir ja sinnvoller Weise mit dem Longieren bezwecken wollen, ist leider unmöglich. Das korrekte Longieren am Kappzaum ist ein hervorragendes Mittel zur Gymnastizierung. Die äußere Oberlinie des Pferdes wird systematisch gedehnt.

 

Die natürliche Schiefe wird ausgeglichen und die Pferde werden sauber in den drei Grundgangarten eingetaktet. Die Entwicklung von Schwung ist ein weiteres zentrales Element dieser Arbeit. Außerdem werden die Grundbewegungsmuster der Seitengänge Schulterherein und Travers vermittelt. Tristes Longieren im Kreis gehört der Vergangenheit an.